Das digitale Erbe oder der digitale Nachlass
Warum ist es wichtig sich um den digitalen Nachlass oder das digitale Erbe Gedanken zu machen?
In der Schweiz gibt es nur noch sehr wenige Menschen, welche das Internet nicht nutzen. Jede zweite Person hat die Zugangsdaten zu Internet-Diensten nur im Kopf. Stirbt diese Person unerwartet, so nimmt sie alle diese Informationen mit in das Jenseits. Immer öfter haben sich die nahestehenden Personen auch um das digitale Erbe des Verstorbenen zu kümmern. Dabei kann es sehr schwierig sein, die Daten im Netz aufzuspüren und sich Zugang zu verschaffen. Die Nachfahren haben anschliessend die grösste Mühe, die Passwörter zu evaluieren und Online-Verträge zu kündigen. Denn die Erben übernehmen alle Rechte und Pflichten eines Dahingeschiedenen.
Im Schweizer Erbrecht ist geregelt, dass eine Erbschaft als Ganzes auf die Erben übergeht. Somit fallen nicht nur alle vererblichen Vermögenswerte, sondern auch der digitale Nachlass in die Erbmasse. Aus rechtlicher Sicht besteht heute keine klare Regelung bezüglich der Persönlichkeitsrechte im Internet.
Und daher sollten wir uns schon zu Lebzeiten über unseren digitalen Nachlass Gedanken machen.
Nach dem Tod kommt eine grosse Arbeit auf die Erben resp. auf den digitalen Willensvollstrecker zu. Denn es müssen unter anderem…
- Social-Media-Profile wie (Facebook, Xing, LinkedIn, Twitter usw.) gelöscht werden
- Verträge und Abos, die sich automatisch verlängern, gekündigt werden
- Rechnungen bezahlt werden.
Die Digitalisierung lasst Aktenordner verschwinden und Computer, Tablet, Handy sowie das Internet liefern heute die Antworten.
Die Erben müssen darum wissen, bei welchen Anbietern der Verstorbene überall registriert war. Ist dies nicht bekannt, beginnt hier das Problem und es entstehen Kosten.
WIE SIE SOLCHE PROBLEME VERMEIDEN
Damit Sie Ihren Angehörigen die Arbeit in Bezug auf die digitale Willensvollstreckung erleichtern, ist es unerlässlich, selber immer den Überblick über Ihre Onlineaktivitäten zu haben.
Die einzige Lösung dafür ist, eine Liste mit allen aktuellen Daten aufzustellen, solange Sie dazu in der Lage sind. Dafür eignet sich eine einfache Tabelle oder Liste von Hand oder in Word oder EXCEL.
Notieren Sie sich je nach Anbieter folgende Angaben und Zugangsdaten:
ABER ACHTUNG:
Niedergeschriebene Zugangsdaten sind sehr heikel und daher sicher aufzubewahren oder einer Vertrauensperson zu übergeben.
- Welche digitale Dienstleistungen nehme ich in Anspruch, resp. wo bin ich registriert?
Um was geht es, um welche Firma oder welchen Dienst handelt es sich?
Beispiele:
- Online-Banking bei einer bestimmten Bank inkl. Vertragsart, Vertragsnummer und mit Kündigungshinweisen.
- Weitere Online-Vermögen wie Paypal und digitale Währungen.
- Name der Online-Shops inkl. allfälliger Bonusprogramme.
- Clouddienst, bei dem Multimediadateien wie Fotos und Videos abgelegt sind.
- Dating-Plattformen (eDarling, Parship, ElitePartner, Verlieb-dich, C-Date usw.), mit Kundennummer und Verträge inkl. Kündigungshinweisen.
- Kostspielige Spiele mit Kündigungsinformationen.
- Social Media wie zum Beispiel: Facebook, Xing, Linkedin, Twitter usw.
- Wie lauten die genauen Internetadressen (www…..ch)?
Der Link zum Login eines Dienstes, zum Beispiel zu Facebook. - Welchen Username / Benutzername verwende ich?
Der Benutzername, um sich beim Dienst einzuloggen. - Mit welcher E-Mail-Adresse habe ich mich registriert?
Die E-Mail-Adresse, mit der ich mich registriert habe, funktioniert je nach Dienst als Benutzername. - Wie lautet das Kennwort für den Login?
Das verwendete Passwort für den Login. - Wurden ergänzende Passwort-Fragen definiert?
Die persönliche Antwort auf eine Frage, mit der man sich einloggen kann, wenn man das geheime Kennwort nicht mehr weiss. - Wie lauten die Vertragskonditionen mit dem Internetdienstleister?
Welche Kosten fallen an? Wie und wann kann dieser Vertrag gekündigt werden? Gibt es eine Kopie der AGB resp. des Vertrages? - Wer soll den digitalen Nachlass verwalten?
Wer soll sich um Ihr digitales Erbe kümmern? Diese Vertrauensperson benötigt nach Ihrem Ableben Zugriff auf Ihre Passwortliste und muss gute EDV- und Internetkenntnisse besitzen. Dies kann zum Beispiel der gewählte Willensvollstrecker sein. Orientieren Sie diese Person unbedingt im Voraus. - Wie lauten die Zugangsdaten zu meinem Computer?
Vergessen Sie auch nicht, die Passwörter für Ihren Computer, Ihr Tablet, Smartphone und allenfalls weitere Geräte aufzuschreiben und sicher zu verwahren. - Wie lauten meine E-Mail-Zugangsdaten?
Vergessen Sie auch nicht, die Passwörter und Zugangsdaten zu Ihren E-Mail Konten aufzuschreiben und sicher zu verwahren.
WIE REGLE ICH MEINEN DIGITALEN NACHLASS?
Notieren Sie Ihren letzten Willen bezüglich Ihrem digitalen Nachlass und dessen Daten. Was soll damit geschehen? Ein paar Beispiele:
- Der Account soll gelöscht werden.
- Die YouTube-Videos sollen online belassen werden.
- Eine Website soll durch eine andere Person weitergeführt werden.
Und erstellen Sie eine handschriftliche Vollmacht, mit einem Datum versehen und unterschrieben. Unabdingbar ist ausserdem, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt.
Orientieren Sie die bevollmächtigte Person (siehe 8.), damit sie darüber Bescheid weiss.
WICHTIG: Sämtlich Zugangsdaten wie E-Mail und Passwörter müssen sicher aufbewahrt werden.
WEITERES AUS DER PRAXIS
Sorgen Sie dafür, dass Ihre Liste immer aktuell ist und hinterlegen Sie das Dokument auf Papier oder doppeltem Datenträger an einer Stelle, auf die Ihr Erbe Zugriff hat. Am besten werden diese Informationen zusammen mit der Vorsorgevollmacht und dem Testament aufbewahrt.
Notieren Sie zusätzlich die Passwörter der verwendeten Programme (beispielsweise der Zugriff zum E-Mail-Programm und dessen Konten). Der Zugang zum E-Mail-Konto gilt als wichtigster Schlüssel bezüglich dem digitalen Erbe, denn es braucht zur Anmeldung bei Onlinediensten praktisch immer eine E-Mail-Adresse. Mit dieser können zum Teil Passwörter zurückgesetzt und neu definiert werden. Somit können die verschiedenen Abos und Dienste einfacher gelöscht oder gekündigt werden.
TIPPS FÜR BETROFFENE
- Löschen Sie bereits jetzt Accounts, die Sie nicht mehr verwenden. Folgender Link kann Ihnen dabei helfen: http://backgroundchecks.org/justdeleteme/de.html
- Wenn Sie aus Sicherheitsgründen Passwörter regelmässig ändern, vergessen Sie nicht, die oben erwähnte Liste anzupassen.
- Will oder kann man sich nicht selber um den digitalen Nachlass eines Erblassers kümmern, so gibt es die Möglichkeiten, einen entsprechenden Dienstleister zu finden. Allerdings bekommt diese Person Zugang zu oft sehr persönlichen Daten. Sie müssen Vertrauen zu diesem Dienstleister haben und bereit sein, zusätzliche Kosten zu übernehmen.
- Eine praktische und relativ sichere Möglichkeit, die wirklich sensiblen und heiklen Daten aufzubewahren und zu speichern, bietet zum Beispiel ein passwortgeschützter USB-Stick, auf welchem alle Daten gespeichert sind.
TIPPS FÜR HINTERBLIEBENE
- Als erstes gilt es, sich einen Überblick über die Onlineaktivitäten des Verstorbenen zu verschaffen.
- Finden Sie heraus, welche E-Mail-Adressen der Verstorbene verwendete.
- Am wichtigsten ist es, die kostenpflichtigen Dienste zu ermitteln, denn diese Kosten fallen ebenfalls in den Nachlass und müssen von den Erben übernommen werden. Kündigen Sie diese so rasch als möglich und löschen Sie die Benutzerkonti.
- Kündigen oder löschen Sie anschliessend auch die übrigen Online-Zugänge.
Starten Sie jetzt mit Ihrer persönlichen Erbplanung. Es lohnt sich.
Danke, dass Sie für Ihre Angehörigen heute schon an später denken.


